Da stellt sich doch als erstes gleich die Frage: Wieso geht jemand als Freiwilliger in einen Kibbutz?
Ich hatte mehrere Gründe. Mein damaliger Job war nicht so toll und ich hatte eh nur einen Zeitvertrag der gerade am auslaufen war, außerdem hat mich Israel schon seit langem interessiert, noch mehr aber nach meinem Urlaub '97 und last but not least wollte ich ja meine Hebräisch-Sprachkenntnisse verbessern. Also hab ich meine Koffer gepackt, die Zeitung, das Telefon und den Rest abbestellt und bin abgehauen. Ich hab mir sogar ein Ticket mit Rückflug gekauft, allerdings war das offen bis zu einem Jahr. 6 Monate wollte ich mindestens bleiben, wenn's mir gefallen sollte auch länger. Geregelt hab ich die ganze Sache mit der Vereinigten Kibbutzbewegung in Frankfurt. Allerdings wußte ich bis zu meinem Abflug noch nicht, in welchen Kibbutz ich gehen würde.
Am Frankfurter Flughafen gab es erst mal wieder den üblichen Security-Check der Israelis mit den üblichen Fragen: Wohin man will, wie lange, wo man übernachtet, ob man Freunde in IL hat, .... Etwas nervend, aber da muß man halt durch. Irgendwann gings dann doch in die Lüfte, dem heißersehnten Süden entgegen.
Nach der Landung auf dem Ben-Gurion-Airport dann erstmal die Wärme genießen nach der eisigen Kälte in Deutschland (es war Anfang Februar). Am nächsten Morgen dann in das Tel-Aviver Büro der Kibbutzbewegung, um zu erfragen, in welchen Kibbutz man kann. Wenn genug Volontäre gefragt sind (das kann in den Sommerferien ein Problem sein, manche Leute warten dann 3 Wochen auf einen Platz) hat man auch etliche Kibbutzim zur Auswahl. Ich wollte in einen kleinen Kibbutz, damit ich nicht so viele Volontäre um mich rumhabe - schließlich wollte ich hebräisch sprechen. Deswegen sollten da auch möglichst keine deutschen Mitvolontäre sein. Und der Kibbutz sollte im Süden sein, damit ich's so richtig schön warm habe :-) Letztendlich habe ich mich dann für Gonen, einen kleinen Kibbutz im Norden entschieden. Und zwar hauptsächlich, weil man dort sein eigenes Zimmer hatte, normalerweise muß man sich mit ein oder zwei weiteren Vol's das Zimmer teilen. Taschengeld und freie Tage sind eigentlich in allen Kibbutzim gleich oder ähnlich. Von den Büro-Mitarbeitern bekommt man gleich noch gesagt, wie man in den Kibbutz kommt und an wen man sich dort wenden soll, dann hat sich auch dieser Teil erledigt.
Am späten Nachmittag bin ich dann in Gonen angekommen. Mit mir stieg noch eine Frau in Gonen aus dem Bus aus, die ich dann natürlich gleich gefragt habe, wo ich hin muß. Was sie mir auch gesagt hat, und außerdem wollte sie auch noch Geoff anrufen, den Volunteers-Leader. So weit, so gut. Ich also mit meinen Taschen zur Volunteers-Bar und hinein in's Vergnügen!
Der Schock kam dann bei der Begrüßung - was krieg ich als erstes zu hören? "Guten Abend" - im besten Deutsch! =:-O Ich hab bloß gedacht: Na toll, das kann ja heiter werden - da hätte ich auch gleich daheim bleiben können... War dann aber halb so wild. :) Simon (der einzige Deutsch außer mir) ist am selben Tag, nur etwas früher angekommen.
Den nächsten Tag hatten wir zwei Anfänger frei, um uns einzurichten. Also erst mal Gegend erkunden, im Kibbutz rumlaufen, nach dem Mittag den volunteers-leader treffen, der uns die offizielle Einführung verpasste. Wir sollten beide im Garten arbeiten, andere Jobs für Vol's waren Arbeiten in der Obstplantage, im metal-shop (so 'ne Art Schmiede), im Gästehaus, im energy-departement (hauptsächlich Heizungstechnik), in der Truthahnfarm und später dann auch in der Küche oder mal für ein paar Tage sonstwo... Meistens blieb man bei dem Job, bei dem man war - gewechselt wurde eher selten oder nur für ein paar Tage.
Frühstück und Mittag gab's im Speisesaal (von der Kibbutz-Küche natürlich), abends gab's Essen in der Volunteers-Bar, unserem Aufenthaltsraum (oder besser -Gebäude).
Für's Abendessen mußte immer einer einkaufen, so das der Rest einen gefüllten Kühlschrank hatte. Kühlschränke hatten wir übrigens zwei: einen fürs Essen und einen fürs Bier, da stand immer mindestens ein kompletter Kasten Goldstar-Beer drin - und wehe, wenn nicht! Bezahlen war auch denkbar einfach (beim Bier vielleicht zu einfach %-)): Man bekommt (theoretisch) 300 Shekel Taschengeld im Monat; wenn man im Laden einkauft, wird das vom Konto abgezogen (man bezahlt mit seinem guten Namen, geht auch ohne grüne Karte), wenn man Briefe verschickt, wird das vom Konto abgezogen, wenn man ein Bier aus dem Kühlschrank holt macht man nen Strich hinter seinem Namen (solange da noch Platz ist) auf der Liste gleich neben dem Kühlschrank. Man kommt also ganz gut aus, ohne daß man Bargeld braucht - zumindestens solange man im Kibbutz bleibt. Ach ja, die 300 Shekel (NIS=Neue Israelische Shekel) entsprechen ungefähr 150 DM, sind also wirklich nur ein Taschengeld. Wenn überhaupt was davon übrigbleibt - manche Vol's mußten regelmäßig draufzahlen....
to be continued...
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