Ich war zwar erst zweimal in Israel, kenn mich aber ziemlich gut aus (nicht nur weil der zweite Aufenthalt 10 Monate dauerte) und möchte hier mal ein paar Tips ablassen oder euch einfach nur neugierig machen auf Israel.
Meiner Meinung nach sollte man sich auf jeden Fall Jerusalem, das Tote Meer, Tel-Aviv und den Kineret (See Genezareth) ansehen. Wenn man mehr Zeit hat oder schneller kuckt ;-) lohnt sich auch noch der Norden (Chula-Tal zum Beispiel, oder der Golan) und im Süden Elat - zum Tauchen und Relaxen. Es gibt jede Menge zu sehen und ein paar Wochen vergehen wie im Flug - aber so ist das ja immer mit dem Urlaub. Leider :-(
Die goldene Stadt (wegen der Farbe der Steine, aus denen die meisten Häuser gebaut sind) sollte keiner verpassen, der in Israel Urlaub macht, allein in der Altstadt gibt es genug für mindestens zwei Wochen zu sehen. Als erstes natürlich die Klagemauer, das wichtigste jüdische Heiligtum - hier ein LifeCam-Bild von Aish HaTorah.
Direkt darüber ist der Tempelberg, der Platz an dem früher (bis 70 CE) der Tempel stand und wo heute der moslemische Felsendom (das Teil mit der goldenen Kuppel, das bei den meisten Reiseführern auf der Titelseite prangt) und die Al-Aqsa-Moschee stehen. Sowohl beim Besuch der Klagemauer als auch beim Betreten des Tempelberges sollte man angemessen gekleidet sein. Auf dem Tempelberg darf man auch nicht überall hin - also nicht wundern, wenn plötzlich Aufpasser angesprungen kommen und einen zurückpfeifen.
Die Altstadt teilt sich in vier Viertel ein: es gibt ein christiliches, aramäisches, jüdisches und moslemisches Viertel. Rund um die Altstadt gibt es eine Mauer (von den Ottomanen gebaut) mit diversen Toren, eins davon habt ihr schon auf der Israel-Seite gesehen - das Damaskustor im arabischen Teil der Stadt. Man kann auch einen Rundgang über die Mauer machen, Aufgänge befinden sich rechts und links vom Jaffa-Tor. Allerdings kann man nicht rundherum laufen, kurz vor dem Tempelberg ist dann Schluß. Es langt aber allemal für einige tolle Blicke über die Stadt. Am Jaffa-Tor befindet sich auch die sogenannte Davids-Zitadelle (die aber gar nix mit König David zu tun hat), hier gibt es ein Museum über die Geschichte Jerusalems.
Gleich hinter dem Jaffa-Tor beginnt der Shuk (oder Basar oder wie auch immer man den arabischen Markt nennen will). Er durchzieht fast das ganze arabische Viertel. Man kann sich einfach mit den Massen durch die engen Gassen mittreiben lassen, die Gerüche und Eindrücke wirken lassen, in ein paar Läden reinkucken und versuchen zu feilschen. Man sollte aber vorher wissen, wieviel das Teil was man zu kaufen beabsichtigt wert ist - sonst wird man gnadenlos über's Ohr gehauen, selbst wenn man den Preis vielleicht schon um die Hälfte runtergehandelt hat. Man kann auch auf die Dächer des Shuq steigen (bzw. auf eine Art Dachterasse), allerdings sind die Aufgänge nicht einfach zu finden. Von dort kann man dann (wie auf dem Bild) auf das Getümmel in den Gassen herunterschauen.
Kirchen und die Via Dolorosa - das sind die Hauptattraktionen des christlichen Viertels - für Pilgerer sicher interessant, für mich weniger.
Im jüdischen Viertel gibt es etliche interessante Museen, besonders das Archäologische Museum Wohl am Hurva-Platz sollte man sich antun. Außerdem wurde der Cardo (eine alte römische Einkaufsstraße) ausgegraben und teilweise wieder als Einkaufsstraße eingerichtet.
Außerhalb der Altstadt gibt es gleich im Süden die Davidsstadt, dort wurden Gebäudereste aus David's Zeiten ausgegraben. Noch ein bißchen weiter südlich gibt es den Warren-Schacht und drunter den Gichon-Tunnel.
Beides sind Teile historischer Wasserversorgungssysteme. Sollte man sich auch ankucken - es macht nämlich unheimlich Spaß im Dunkeln durch das Wasser zu waten! :-) Weiter außerhalb ist dann noch Yad Vashem (das Holocaust-Museum), die Ben-Yehuda-Street in der Neustadt mit netten Straßencafes und natürlich auch der Ölberg mit dem riesigen jüdischen Friedhof. Gerade noch zu Fuß zu erreichen ist auch das Israel-Museum.
Es ist ziemlich groß und kaum an einem Tag zu schaffen, aber zumindestens sollte man einen Blick auf die Schriftrollen vom Toten Meer werfen, die im Schrein des Buches aufbewahrt werden. Die Knesseth (das israelische Parlament, Bild) befindet sich übrigens gleich gegenüber.
Wer preiswert übernachten will (oder muß) sollte in eins der Youth-Hostels im arabischen Viertel gehen. Man hat dann zwar nicht den Super-Luxus, aber dafür einen kurzen Weg zu den Sehenswürdigkeiten.
Zum Toten Meer kommt man am besten per Bus oder mit einem Sherut, dass sind Sammeltaxis (meistens Kleinbusse), die solange warten bis alle Plätze belegt sind. Bei denen kann man auch um den Fahrpreis feilschen - manchmal zumindestens. Naja, was es am Toten Meer zu sehen gibt ist folgendes: Qumran im Norden, etwa in der Mitte Eyn Gedi mit zwei Naturschutzgebieten, etwas weiter südlich Masada, die Felsenfestung.
In Qumran gibt es nicht allzuviel zu sehen, ein kleines Museum, einige Ausgrabungen und ein Blick auf eine der Höhlen, in denen die "Schriftrollen vom Toten Meer" gefunden worden. Die Original-Schriftrollen sind im Israel-Museum in Jerusalem ausgestellt.
In Eyn Gedi gibt es einen öffentlichen Strand mit Duschen und Toiletten - ist ja klar, daß man auf jeden Fall mal auf dem Toten Meer geschwebt haben muß! Schwimmen ist jedenfalls nicht der richtige Begriff dafür. Auf jeden Fall ein tolles Gefühl! Nahal David, eins der beiden Naturschutzgebiete bei Eyn Gedi, liegt direkt am Toten Meer. "Nachal" bedeutet "Bach", David heißt er deshalb, weil sich dort nochnicht-König-David vor König Saul versteckt haben soll. Man sollte seinen Besuch dort möglichst früh beginnen, was kein Problem ist, wenn man so wie wir am steinigen Strand übernachtet - verschlafen ist dann praktisch unmöglich =:-) In der Jugendherberge kann man natuerlich auch (ver)schlafen, und später mit der großen Masse der Besucher das Gebiet besichtigen, allerdings wird man dann vermutlich auf weniger Tiere (z.B. Steinböcke) treffen. Vorteil ist dabei, dass damit auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, auf einen der Leoparden zu treffen, die es dort geben soll. :-) Badesachen und reichlich Trinkwasser sollte man auf jeden Fall dabeihaben, den Rest des Gepäcks kann man am Eingang in eine Art Schliessfach packen.
Masada - davon hat sicher jeder schon mal gehört. Von Herodes gebaut, berühmt geworden durch die Zeloten und ihren Kampf gegen die römischen Besatzer um das Jahr 70. Dort oben in der Felsenfestung haben sich die letzten Rebellen verschanzt, rundherum waren Römerlager aufgebaut. Nachdem die Römer eine riesige Rampe aufgeschüttet hatten und dabei waren, die Festung zu stürmen, brachten sich die zelotischen Kämpfer selber um, um der Gefangenschaft zu entgehen. Heute gibt es den patriotischen Ausspruch "Masada soll nie wieder fallen!". Für Touristen ist es eine Art Tradition, Masada noch vor Sonnenaufgang zu erklimmen (zu solch früher Stunde fährt die Seilbahn noch nicht) und dann ein Foto vom Sonnenaufgang über dem Toten Meer zu knipsen. Der Sonnenaufgang sieht auch nicht anders aus als anderswo, aber man muß das halt so machen. Vorteil: Vor Sonnenaufgang ist es noch nicht so heiß, da hält man den Aufstieg wenigstens durch.
Der Frühlingshügel (wie Tel-Aviv übersetzt heißt) ist eine moderne Stadt mit allem drum und dran, und der Badestrand 10 Minuten vom Zentrum weg - praktisch :-) Einkaufsstraßen, Bars, Kaffees, Restaurants, Discos - alles was zu einer Stadt gehört. In Israel sagt man: Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel-Aviv tanzt! - das trifft so ziemlich den Nagel auf den Kopf.
Eilat am Roten Meer ganz im Süden ist eine richtige Touristenstadt mit dem üblichen Drumherum. Sie eignet sich auch gut als Ausgangspunkt, wenn man Ausflüge nach Jordanien und Ägypten machen will. Im Negev gibt es auch noch viele interessante Orte, z.B. Mizpe Ramon, der Riesenkrater mitten in der Wüste.
An der Mittelmeerküste gibt es auch noch viele Sachen zu sehen. Als erstes wäre da Akko zu nennen, die alte Kreuzfahrerstadt, man fühlt sich direkt in das Mittelalter versetzt, wenn man dort durch die Straßen läuft. Ganz im Norden befindet sich Rosh Hanikra, ein ausgehölter Kreidefelsen, der Teil der im Bild zu sehen ist, wird "Elefant" (oder so ähnlich) genannt. In Haifa steht der Bahai-Schrein. Außerdem ist Haifa der größte Hafen Israels - und hier gibt es auch die einzige U-Bahn Israels! Und wo wir gerade bei Verkehrsmitteln sind: Die einzige Eisenbahnstrecke zieht sich von Akko bis Tel-Aviv an der Küste entlang und geht dann noch bis Jerusalem.
In Tiberias am Kineret gibt es nicht sonderlich viel zu sehen, aber in dieser Stadt haben schon viele berühmte Rabbiner gelebt. Auf der anderen Seite des Sees nahe der jordanischen Grenze befindet sich Chamat Gader. Das ist eine Art Spa mit heißen Quellen die schon von den Römern genutzt wurden. Außerdem gibt es dort eine Alligator-Farm und einen kleinen Zoo. Etwas südlich von Tiberias liegt Beyt-She'an, dort gibt es eine große Ausgrabungsstätte, wo unter anderem ein römisches Theater zu sehen ist. Rund um den Kineret gibt es natürlich noch viele für Christen interessante Stätten wie z.B. Kfar Nachum, den Berg Tabor, ...
Zu der Gegend ganz im Norden (Galil und Golan) gibt es später noch mehr, entweder hier oder auf der Kibbutz-Seite. Erwähnenswert ist auf jeden Fall schon mal Gonen (der Kibbutz in dem ich als Volontär war). Dann das Chulah-Tal - ein Naturschutzgebiet in dem man viele Vogelarten beobachten kann, besonders im Herbst und Frühjahr, wenn die Zugvögel von Europa nach Afrika (oder umgedreht) ziehen. Die nördlichste Stadt Israels ist Metullah, ganz dicht an der Grenze zu Libanon. Und dann gibt es noch den Chermon, das einzige Ski-Gebiet Israels, Tel Dan, Nachal Chermon und viele andere Naturschutzgebiete...
Am besten wirkt das alles natürlich, wenn man's sich selber mal anguckt! Israel ist zwar nicht gerade ein Billig-Reiseland, aber dafür unvergleichlich! Lebensmittel kosten so ungefähr dasselbe wie hierzulande, für eine Übernachtung in der Jugendherberge legt man zwischen 28 NIS und 40 NIS hin - pro Nacht und Kopf im Dormitory. 1 Euro ist ungefähr 4 NIS (Neue Israelische Shekel) wert. Landessprache ist Hebräisch, mit Englisch kommt man aber prima durch, wer nur Deutsch kann, hat es schon etwas schwieriger. Israel ist übrigens ein modernes Land, mit Computern, Autos, und allem drum und dran. Sogar die Kinder schleppen schon Handys mit sich rum ;-)
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